{"id":4457,"date":"2020-10-15T17:14:30","date_gmt":"2020-10-15T15:14:30","guid":{"rendered":"https:\/\/agisra.org\/?p=4457"},"modified":"2020-10-15T17:14:30","modified_gmt":"2020-10-15T15:14:30","slug":"pressemitteilung-menschenhandel-ist-moderne-sklaverei-nrw-vernetzung-der-spezialisierten-beratungsstellen-fuer-opfer-von-menschenhandel-zum-18-oktober-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agisra.org\/?p=4457","title":{"rendered":"Pressemitteilung \u201eMenschenhandel ist moderne Sklaverei\u201c NRW-Vernetzung der spezialisierten Beratungsstellen f\u00fcr Opfer von Menschenhandel zum 18. Oktober 2020"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des diesj\u00e4hrigen europ\u00e4ischen Tag gegen Menschenhandel am 18.Oktober 2020 m\u00f6chten wir gemeinsam mit der NRW-Vernetzung der spezialisierten Beratungsstellen f\u00fcr Opfer von Menschenhandel folgende Pressemitteilung verk\u00fcnden. \u00a0Menschenhandel ist eine schwere Menschenrechtsverletzung! Wir von agisra e.V. fordern, dass Personen die vom Menschenhandel betroffen sind eine unabh\u00e4ngige und unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten! Au\u00dferdem fordern wir, dass Betroffene die M\u00f6glichkeit bekommen, neue Perspektiven aufzubauen und langfristige Stabilit\u00e4t zu erlangen!\u00a0 Zugang zu Bildungs- und Qualifizierungsma\u00dfnahmen, Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt sind daf\u00fcr notwendige Elemente, die auch vor erneuter Ausbeutung sch\u00fctzen!<\/p>\n<h3>Pressemitteilung:<\/h3>\n<p>\u201eMenschenhandel ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und zeigt sich in vielen erschreckenden Facetten: Sexuelle Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, Handel in die Ehe, die Ausnutzung und N\u00f6tigung zu strafbaren Handlungen oder erzwungene Bettelt\u00e4tigkeiten. Es ist moderne Sklaverei!\u201c Zum diesj\u00e4hrigen Europ\u00e4ischen Tag gegen Menschenhandel, dem 18. Oktober, sind sich die acht landesgef\u00f6rderten Fachberatungsstellen f\u00fcr Opfer von Menschenhandel in NRW dar\u00fcber einig.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Menschenhandel in NRW<\/strong><\/p>\n<p>M\u00e4nner und Frauen, Jungs und M\u00e4dchen, und Trans*menschen k\u00f6nnen vom Menschenhandel betroffen sein, jedoch ist der Frauenanteil bei diesem Verbrechen wesentlich gr\u00f6\u00dfer. agisra e.V. K\u00f6ln, Informations- und Beratungsstelle f\u00fcr Migrantinnen* und Fl\u00fcchtlingsfrauen*, Nachtfalter in Essen, die spezialisierte Fachberatungsstelle der Diakonie Mark Ruhr gGmbH in Hagen, die Dortmunder Mitternachtsmission, das Eine-Welt-Zentrum Herne, die Fachstelle f\u00fcr Opfer von Frauenhandel in der frauenberatungsstelle d\u00fcsseldorf e.V., NADESCHDA in Herford und Solwodi in Duisburg sind acht spezialisierte Beratungsstellen f\u00fcr Opfer von Menschenhandel. Diese Fachberatungsstellen betreuen j\u00e4hrlich fast 1.000 Frauen und M\u00e4dchen, die von Menschenhandel betroffen sind. Betroffene von Menschenhandel sind zum gr\u00f6\u00dften Teil Frauen und M\u00e4dchen aus Ost- und S\u00fcdeuropa, Afrika, Asien, Lateinamerika und auch aus Deutschland. Ihre oftmals bereits im Herkunftsland prek\u00e4re Situation und der Wunsch nach einem Leben ohne Gewalt und Armut werden von Menschenh\u00e4ndler*innen als K\u00f6der benutzt. Einige werden mit falschen Versprechungen auf eine Arbeitsstelle oder Ehe nach Deutschland gelockt. Aufgrund fehlender Kenntnisse \u00fcber Sprache, Gegebenheiten des jeweiligen Landes sowie auch ihrer eigenen Rechte und oft enormer Einsch\u00fcchterung durch ihre Peiniger*innen sind diese Frauen und M\u00e4dchen besonders vulnerabel, perspektiv- und schutzlos. Ein Entrinnen aus eigener Kraft aus ihrer Situation ist selten m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Menschenhandel mit deutschen Frauen und M\u00e4dchen \u201eim Namen der Liebe\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Frauen und M\u00e4dchen aus Deutschland sind ebenfalls von Menschenhandel betroffen. Oft sind diese von sogenannten \u201eLoverboys\u201c rekrutiert. Loverboys bauen zun\u00e4chst eine emotionale Beziehung mit der Frau oder dem M\u00e4dchen auf und gewinnen ihr Vertrauen. Danach wird sie \u201eim Namen der Liebe\u201c zur Prostitution gezwungen. \u201eDas Problem ist gr\u00f6\u00dfer als gedacht. Wir brauchen dringend einen bundesweiten Ansatz\u201c, sagt NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach und macht deutlich, dass Aufkl\u00e4rung und Pr\u00e4vention eine staatliche Aufgabe sein muss.<\/p>\n<p><strong>Auswirkungen der Covid-19-Pandemie<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der Arbeit unserer Fachberatungsstellen in NRW und der Identifizierung hunderter F\u00e4lle, verbleibt dennoch eine immens hohe Dunkelziffer. Die COVID 19- Pandemie wirkt sich zudem erschwerend auf die Identifizierung von Betroffenen von Menschenhandel aus. Ohne Identifizierung kann den betroffenen Personen jedoch kein Schutz zuteil kommen. Somit rutschen die Betroffenen durch die Pandemie weiter in die Illegalit\u00e4t und werden zu einem leichten Ziel f\u00fcr Menschenh\u00e4ndler*innen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Nicht die T\u00e4ter*innen, sondern die Betroffenen haben Angst vor Strafe <\/strong><\/p>\n<p>Menschenhandel ist ein \u00e4u\u00dferst florierendes und risikoarmes Gesch\u00e4ft f\u00fcr die T\u00e4ter*innen. Auch wenn dieser unter Strafe steht, ist die tats\u00e4chliche Strafverfolgung und Verurteilung der T\u00e4ter*innen mit gro\u00dfen H\u00fcrden verbunden, die sich insbesondere zu Lasten der Opfer auswirken. Um die Aussicht auf eine Verurteilung zu erh\u00f6hen, f\u00fchlen sich die von Menschenhandel Betroffenen unter Druck und werden angehalten, eine Aussage zu machen. Die T\u00e4ter*innen lassen jedoch nichts unversucht, physischen oder psychischen Druck auf die betroffene Person auszu\u00fcben, um sie von einer Aussage abzuhalten. Oft drohen sie, Angeh\u00f6rigen im Heimatland Gewalt anzutun. Daher fordert der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK): \u201eBetroffene von Menschenhandel sollten das Recht und auch die M\u00f6glichkeit haben, sich frei und unabh\u00e4ngig stabilisieren, informieren und entscheiden zu k\u00f6nnen, welchen Weg sie einschlagen wollen. Sie ben\u00f6tigen vor allem eine St\u00e4rkung ihrer Position durch Sicherheit, Rechte, Unterst\u00fctzung und Perspektiven.\u201c Die Angst davor, trotz get\u00e4tigter Aussage zur\u00fcck ins Herkunftsland zur\u00fcckkehren zu m\u00fcssen, wodurch Betroffene erneut in die F\u00e4nge der skrupellosen T\u00e4ter*innen gelangen k\u00f6nnen, l\u00e4sst die Frauen oft von einer Aussage absehen. KOK fordert daher: \u201eEine Abkopplung aufenthaltsrechtlicher Regelungen von einer Mitwirkung im Strafverfahren, also eine unabh\u00e4ngige und unbefristete Aufenthaltserlaubnis, ist daher dringend notwendig. Neben einer unabh\u00e4ngigen und unbefristeten Aufenthaltserlaubnis sollten die Betroffenen zudem die M\u00f6glichkeit bekommen, neue Perspektiven aufzubauen und langfristige Stabilit\u00e4t zu erlangen. Zugang zu Bildungs- und Qualifizierungsma\u00dfnahmen, Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt sind daf\u00fcr notwendige Elemente, die auch vor erneuter Ausbeutung sch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des diesj\u00e4hrigen europ\u00e4ischen Tag gegen Menschenhandel am 18.Oktober 2020 m\u00f6chten wir gemeinsam mit der NRW-Vernetzung der spezialisierten Beratungsstellen f\u00fcr Opfer von Menschenhandel folgende Pressemitteilung verk\u00fcnden. \u00a0Menschenhandel ist eine schwere Menschenrechtsverletzung! Wir von agisra e.V. fordern, dass Personen die vom Menschenhandel betroffen sind eine unabh\u00e4ngige und unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten! 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