Im Dezember hat unsere Kollegin* Behshid Najafi im Interview mit Andrea Vetter über die Arbeit von agisra und ihre Perspektive auf Care-Arbeit gesprochen. Sie thematisiert, dass viele Migrantinnen* als Hausarbeiterinnen* oder Pflegerinnen* arbeiten – und das häufig unter prekären Arbeitsbedingungen.
 
Das Interview ist vor der Ausbreitung des Corona Virus entstanden, aber dennoch aktuell. Die Wichtigkeit von Care-Arbeit wird in diesen Zeiten besonders deutlich. Menschen applaudieren und Bedanken sich bei jenen, die sich um die kranken, alten und jungen Menschen kümmern. Doch das reicht nicht, denn es geht auch um eine finanzielle und rechtliche Sicherheit für jene, die Care-Arbeit leisten.
 
„Das Minimum ist, Care-Arbeit als staatliche Aufgabe zu betrachten, nicht als individuelles Problem. Dass es gesicherte Arbeitszeitregelungen gibt: Feiertage, Mutterschutz. Eine Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für Hausarbeiterinnen*. Die Gewerkschaften müssen sich öffnen und Raum schaffen für Care-Arbeiterinnen*!“
 
Es darf dabei nicht vergessen werden, dass ein großer Teil der Care-Arbeit auf Migrantinnen* ausgelagert wird, die schlecht entlohnt werden und keine soziale Absicherung haben. Knapp 90% der Haushaltshilfen in Deutschland leben in einem nicht registrierten Beschäftigungsverhältnis, die Mehrheit von ihnen ist weiblich.
 
„In den Industrieländern oder in reichen Familien übernehmen die migrierten Frauen* diese Arbeit. Früher sagte man, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau. Jetzt sagen wir: hinter jeder erfolgreichen Frau* steht jetzt eine andere Frau*, die eine Migrantin* ist. Viele dieser Migrantinnen* lassen ihre eigenen Kinder bei Verwandten, der Großmutter, der Schwester, und kümmern sich um den Haushalt einer anderen Familie.“
 
Das ganze Interview findet Ihr hier.
 
Hier noch weitere Leseempfehlungen zum Thema:
https://taz.de/Care-Arbeit-im-Kapitalismus/!5666757/
https://www.sueddeutsche.de/leben/corona-systemrelevant-care-arbeit-1.4852560?fbclid=IwAR0NuFh-EjJIOmq2Pp5WcSAiqd3Brv7fGqinqWbvizO2Y1g9fZkNBNLjze4
 
Foto: Martin Neuhof

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